US Open 2026: Naomi Osaka und Jessica Pegula äussern sich zu Influencern, die in New York für Störungen sorgen

Am US Open in New York sind in diesem Jahr rund 100 Influencer und Content Creator akkreditiert, doppelt so viele wie im Vorjahr. Ihre Präsenz hat eine Debatte darüber ausgelöst, wie man neues, anderes Publikum für den Tennissport gewinnt und gleichzeitig die ungeschriebenen Regeln des Spiels respektiert. Im Arthur Ashe Stadium, der grössten Tennisarena der Welt mit einer Kapazität von über 23’000 Plätzen, gelten dabei einfache Grundsätze: Zuschauer sollen die Spielerinnen und Spieler während der Ballwechsel nicht stören.

Genau dagegen verstiess eine Gruppe während der Erstrundenpartie der zweifachen Siegerin Naomi Osaka auf dem Arthur Ashe. Die Gruppe hielt in ihrer Hospitality-Lounge ein Fotoshooting ab, während das Spiel lief. Als Osaka aufschlug, schaltete sie ein tragbares Ringlicht ein, woraufhin der Schiedsrichter eine Rüge aussprach.

Als Osaka am Donnerstag zurückkehrte, musste der Schiedsrichter das Publikum mehrmals zur Ruhe ermahnen. «Heute hat der Schiedsrichter das Publikum öfter zur Ruhe aufgefordert, als ich es je erlebt habe», sagte Osaka.

Ein viral verbreitetes Video zeigt eine Gruppe, die während Osakas Erstrundenpartie am Dienstag laut spricht, während sie sich selbst filmt. Der Stuhlschiedsrichter forderte sie daraufhin auf, damit aufzuhören.

«Wenn man zu einem Sportanlass kommt, muss man den Sport respektieren», sagte Osaka. «Ich finde, es gehört zum Anstand, sich über den Sport zu informieren, besonders über die Etikette. Es könnte gut sein, Tennis bei einem bestimmten Publikum populär zu machen, aber das muss man viel besser managen, besonders in einer Situation wie bei meinem Erstrundenspiel. Insgesamt gibt es grosse Vorteile. Man will, dass die Leute den Sport weiterentwickeln. Ich finde einfach, es muss so geschehen, dass alle die Regeln und die Etikette kennen.»

Geteilte Meinungen unter den Profis

Die Weltnummer vier Coco Gauff begrüsst das neue Publikum grundsätzlich. «Ich finde es super, eine neue Zielgruppe zu haben, und ich denke, es hilft, den Sport zu vergrössern», sagte sie. «Aber wenn man zu einem roten Teppich eingeladen wird, erscheint man nicht in Jeans. Man sollte einfach der Etikette des Sports folgen. Mehr nicht.»

Der siebtgesetzte Daniil Medvedev, der in der Vergangenheit ein schwieriges Verhältnis zum New Yorker Publikum hatte, findet, dass alles, was mehr Augen auf das Tennis lenkt, nur gut sein kann. «Je mehr wir versuchen, das Bewusstsein für Tennis zu schärfen, desto besser ist es, desto populärer wird der Sport», sagte der Russe. «Ich vertraue der USTA bei dem, was sie tut. Ich denke, es gibt viel mehr Vorteile als Nachteile, also nur zu.»

Der US-Amerikaner Frances Tiafoe, Elfter der Setzliste, lobte die Vielfalt des Publikums in New York. «Ich finde das Open grossartig, weil alle Arten von Menschen kommen, um Tennis zu sehen», sagte er. «Aus allen Lebensbereichen, verschiedenen Typen und Berufen. Persönlich liebe ich das. Ich habe nichts dagegen, wenn jemand kommt, um Tennis zu schauen.»

Die amerikanische Weltnummer drei Jessica Pegula äusserte sich hingegen kritisch. Einige Verhaltensweisen seien «respektlos» gewesen. «Ich kann verstehen, dass Influencer kommen, um das Erlebnis US Open zu zeigen», sagte Pegula. «Aber ich finde es schwierig, wenn man Videos sieht, in denen Leute Fotos machen und Selfie-Lichter benutzen. Die Spielerinnen und Spieler da unten versuchen, ihre Leistung zu bringen. Es ist ihre Karriere und ihr Job. Das wirkt etwas respektlos. Ich finde, dieses Jahr ist es etwas zu viel geworden. Ich verstehe die eine Seite, aber wenn die andere Seite Partien buchstäblich unterbricht, wird es schwierig.»

Ausbau des Erlebnisses

Das US Open führte 2024 eine Regelung für freie Bewegung der Fans ein. Diese dürfen seither während der Seitenwechsel ohne Wartezeit an ihre Plätze gehen. Ein Jahr später wurde das Turnier auf 15 Tage ausgeweitet. Die Woche vor der Einzel-Auslosung wird nun als «Fan Week» vermarktet, mit dem überarbeiteten Mixed-Doppel und Schaukämpfen zwischen aktuellen und ehemaligen Spielerinnen und Spielern.

Turnierchef Craig Tiley hofft, dass daraus «das Tennis-Disneyland» entsteht. Zur Akkreditierung von Influencern sagte er an einer Medienkonferenz vor dem Turnier: «Wir müssen Wege finden, neue Zielgruppen zu erreichen, und Menschen dort abzuholen, wo sie heute mit Medien in Kontakt sind. Die Einführung der Creator-Akkreditierung war dafür ein wichtiger Schritt, weil wir so mit Menschen sprechen können, die uns zuhören. Darauf liegt grosses Gewicht.»

Seit dem Vorfall bei Osakas erstem Spiel werden auf den Bildschirmen im Gelände verstärkt Hinweise eingeblendet. Die Zuschauer sollen davon absehen, Aktivitäten zu betreiben, die das Spiel stören könnten, einschliesslich Lärm, Blitzlicht und Ringlicht.

Die USTA erklärte in einer Stellungnahme, sie sei «stets bestrebt, das Tennis in diesem Land zu fördern und neues Publikum für den Sport zu gewinnen». Man wolle, dass alle Fans und Gäste eine grossartige Zeit hätten, müsse aber auch sicherstellen, dass sie das Geschehen auf dem Platz nicht beeinträchtigen. «Wir suchen laufend nach Wegen, damit die Fans auf den Tribünen wissen, was erlaubt und was verboten ist.»